Die Obermotte Teil 2

Allgemein erzählt, wie meine Mutter war, hab‘ ich ja schon… Aber was hieß das sozusagen praktisch?

Mäuschen war z. B. im Kindergarten das einzige Kind, das weder von Mama hingebracht noch abgeholt wurde. In der Grundschule genauso, und da hatte ich dann einen halbstündigen Weg. Den ging meine Mutter in den ersten beiden Wochen mit, dann war sie der Meinung, das müsse ich alleine hinkriegen. Der Maus was zu Essen mitgeben? Wieso? Sie hat doch Frühstück bekommen! (Daß der Mäusemagen schon immer erstmal eine knappe Stunde braucht, um mitzubekommen, daß der Rest vom Körper das Schlafen eingestellt hat… wen juckt’s?)

Andere Kinder freuten sich dann auf das Mittagessen zuhause. Die Maus nicht. Sie wusste, da gibt’s nix. Denn Vater hat ja Schichtdienst und ist die Hälfte der Tage um die Zeit nicht zuhause oder schläft, und dann müsste Mutter ja 2mal kochen (aufwärmen ist ja unmöglich…).

Naja… immerhin war ich die Einzige, die nie fragen musste, ob sie nach der Schule irgendwohin darf oder ob sie da dann über Nacht bleiben darf… ich sagte nur Bescheid. Ich wusste ja, meine Mutter sagte nie nein. Wieso auch? Dann wäre ich ja zuhause gewesen und man hätte sich mit mir beschäftigen müssen… (Wohlgemerkt, ich rede von Kindergarten- und Grundschulzeit.)

Maus wird in der Schule gehänselt (lesen können, wenn die anderen gerade mal 3 Buchstaben gelernt haben, macht zum Außenseiter)? „Die werden schon ihren Grund haben, frag‘ dich mal, was du gemacht hast!“ (Na, danke auch!)

Maus hat Alpträume von den Hänseleien? „Ist doch vorbei, geh‘ wieder schlafen!“

Solltet ihr (irgendwann mal) Kinder haben, bitte tut mir den Gefallen und macht es nicht genauso!

Da kommt nämlich hinterher ein kleines verschüchtertes Etwas raus, das fest davon überzeugt ist, eigentlich immer zu nerven, das nur echt ungern (und meist auch erst viel zu spät) sagt, „mir geht’s nicht gut“ oder „ich brauch‘ Hilfe“ (interessiert ja doch keinen… hat man ja so gelernt seufz), das schon bei einem popeligen „Bringst du mir ein Glas aus der Küche mit, wo du da grad hingehst?“ schon erstmal seinen Mut zusammennehmen muss… Oder kurz gesagt: sowas wie ich.

6 thoughts on “Die Obermotte Teil 2

  1. als die hänseleien bei mir in der schule anfingen, hieß es nur „ignorier die einfach, dann wird’s langweilig und sie hören auf“. blödsinn – es wurde schlimmer. dann hieß es nur noch „ach, soo schlimm wird es schon nicht sein“ oder „jetzt fang nicht schooon wieder damit an!“

    großartig, wenn sich die eltern so hinter einen stellen :-/

    • Ohja, die Sprüche kenn‘ ich auch.
      Mein Vater war zwar besorgt und hat sich Gedanken gemacht, aber Tipps wie „Na, dann schlag‘ (mit Sprüchen) zurück“ waren irgendwie nicht hilfreich… Wenn einem die Tränen in die Augen schießen und man bloß noch wegrennen will, fallen einem einfach keine Sprüche ein…

      • wenn man den mut oder die fähigkeit hätte, sich zu wehren, würde man das ja von anfang an tun – und es würde sich gar nicht so weit steigern, dass mand ie hilfe von eltern oder anderen außenstehende bräuchte…

        meine eltern haben das nie wirklich ernstgenommen oder sich gar sorgen gemacht. selbst, als es anfing dass ich mit blauen flecken, verstauchten fingern/handgelenk etc. nach hause kam, haben sie nur weggeguckt. lehrer genauso. bei sowas sind immer alle großartig im wegschauen – und hinterher fragen sie „ja, warum hast du denn nichts gesagt? warum bist du nicht zu uns gekommen? wir hätten dir doch geholfen!“ ja nee, is klar…! ich könnte heute noch vor wut und enttäuschung schreien.

      • Jap, Mobber wissen schon ganz genau, wen sie sich als Opfer aussuchen… Würde ja auch keinen „Spaß“ machen, wenn die zurückschlagen würden

    • Oh ja, das mit dem Ignorieren kenn ich auch, kam von meinem Vater… ich hab daheim aber nie wirklich viel erzählt, weil ich überzeugt war, dass mir meine Eltern eh nicht hätten helfen kennen. Meine Mutter ist heut noch betroffen, dass sie das damals nicht mitbekommen hat – aber echt, was hätte sie tun können? So wie ich sie kenne, wäre sie in die Schule gerannt und hätte ein Mordstheater gemacht und den Lehrern erklärt, dass sie mich „schützen“ sollen. Aber ob das hilfreich gewesen wäre, wenn man eh schon als „Streber“ und „Schleimer“ gilt?!?

      • ich glaube, bei mobbing und co. hilft nur eine konsequente trennung von tätern und opfern. mit gesprächen und „wir behalten euch im auge“ etc. kommt man meist nicht weit. dann verlagert sich das alles halt auf subtilere ebenen oder passiert in irgendwelchen dunklen ecken, wo’s keiner mitkriegt… schulklasse oder noch besser gleich die schule wechseln – was anderes bringt doch eh nichts :-/

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