Erleichtert (und fix und fertig)

Ich könnt‘ gerade direkt ins Bett gehen… hätte echt nicht gedacht, daß mich das so schlaucht. Aber es war gar nicht so schlimm… eigentlich sogar ziemlich gut. Aber von vorn…

Bewaffnet mit Spickzettel und Bachblüten-Bombons (übrigens nochmal danke für den Tip an die Laborfee… auch wenn ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob sie helfen), bin ich also losgetippelt. Bus ging noch einigermaßen, aber auf dem Weg von der Haltestelle zur Klinik hab‘ ich dann doch nochmal richtig Muffensausen gekriegt. Und kaum hab‘ ich das Schild gesehen, hatte ich Tränen in den Augen. So richtig weiß ich immer noch nicht, wieso… Aber ich bin trotzdem weitergegangen… und stand auf einmal im Park. Ja, ok, vorher kamen noch der Parkplatz und das Pfortenhäuschen, aber danach sieht man erstmal nur Grün, und irgendwo schimmert ein weißes Haus durch. Sehr sympathisch, muss ich sagen. Auf den Plan geguckt, der da zum Glück stand… Ziel gefunden… also los. Und gerade wollten die Tränen wieder hochkommen, da kommt mir wer mit einem Jack-Russell-Welpen entgegen, der mich anscheinend ganz toll fand (also der Welpe jetzt, nicht der Kerl). Der war so niedlich, daß ich erstmal vergessen hab‘, warum ich eigentlich gerade nervös und kurz vorm heulen bin. (Hab‘ ich mal erwähnt, daß Tiere einfach toll sind?) So hab ich’s dann in die Ambulanz geschafft…

Natürlich 20 Minuten zu frühAber ich wusste ja nicht, wie lange Anmeldung und so dauern (3 Minuten). Also warten… narf. Das kann ich ja besonders gut. Da hat’s auch nix geholfen, daß die Klinik in so einem alten Gemäuer ist, echt hübsch… und auch innen nicht wirklich wie eine Klinik, eher wie… eine Edelschule oder sowas? Keine Ahnung, was. Aber Maus hatte 15 Minuten sich einen Kopf zu machen (und die hat sie genutzt!). Und dann kam die Ärztin… und ich hatte ein Déja-vu:

Als ich vor 2 Jahren mit meiner Zahnarztphobie gekämpft hab‘, wurde das erst besser, als ich meine jetzige Zahnärztin fand: kleiner als ich (und ich bin nur 1,66), irgendwie niedlich und, wie ich dann feststellte, schwanger. Vor der Frau Angst haben, ist schwierig. Und mittlerweile geht es auch bei den anderen Zahnärztinnen in der Praxis, sie hat da irgendwie „abgefärbt“.

Und vorhin stand dann eine noch kleinere, niedliche, hochschwangere Frau vor mir. Ich musste zumindest innerlich lächeln und hab‘ mich etwas beruhigt. Mit ihr rüber ins andere Haus in ihr Büro gegangen, hingesetzt… und was haut die raus? „Nun, was führt sie denn zu mir?“ War ja klar, oder? Aber  stolz guck  ich hab‘ mich an Silberträumerin’s Kommentar erinnert, und ihr gesagt, daß es mir bei so Sätzen mit absoluter Regelmäßigkeit die Sprache verschlägt. Da musste sie dann lächeln… und hat netterweise umgeschwenkt und mich nach den Diagnosen auf der Überweisung gefragt (Depression, Angststörung, Panikattacken… wobei man da beachten sollte, daß die Überweisung von meinem Hausarzt ist…).

Und ich hab‘ angefangen zu reden… Bin selbst immer noch ganz verblüfft, ehrlich. Ich war ziemlich genau eine Stunde da… und hab‘ bestimmt 40 Minuten davon geredet. Auf ihre Fragen geantwortet (und sie sagte am Ende selbst, „das waren verdammt viele Fragen für einen 1. Termin), und zwar ehrlich, und ohne es herunterzuspielen. Jaaa, gut, so ganz ohne ging nicht… da kam schon das ein oder andere „is jetzt nicht sooo schlimm“… aber da hat sie dann nachgehakt. Aber ehrlich war ich… und hab‘ Zeug angesprochen, daß ich hier bisher noch nicht rausgelassen hab‘, wo Hakon teilweise Stunden (und das ist nicht übertrieben) gebraucht hat, um es aus mir rauszuholen… Keine Ahnung, wie die Frau das geschafft hat. Ich glaub‘, fast die Hälfte der Zeit sind mir Tränen über die Wangen gelaufen. Weil’s weh tat, manche Sachen auszusprechen, weil es irgendwie unheimlich peinlich war… und weil sie mir den Eindruck vermittelt hat, daß es sie interessiert, daß sie mich versteht, mich ernst nimmt… Und trotzdem hat sie nicht versucht, mich zu trösten oder so, und dafür bin ich ihr echt dankbar. Ich glaub‘, auch nur Hand auf die Schulter legen, wär‘ in dem Moment nicht gut gewesen.

Und das Ergebnis? Die Depressions-Diagnose ist bestätigt und die Ärztin will mir einen stationären Platz hier in Maushausen besorgen (und sie will sich da direkt morgen schon drum kümmern). Damit ich erstmal die Depression (und mein Leben) in den Griff kriege. Da soll dann auch noch mal eine richtige Diagnose für mein Chaos gestellt werden. Sie meinte zwar vorhin, es würde auf Borderline passen, aber genau könne man das eben nach so kurzer Zeit nicht sagen. Also, nächste Woche Donnerstag soll ich sie nochmal anrufen (und ihr dann auch erzählen, wie die theoretische Prüfung am Tag davor gelaufen ist) und dann kann sie mir da vielleicht schon was sagen. Und am 28. hab‘ ich nochmal einen Termin bei ihr. Gleichzeitig soll ich schon mal versuchen, einen Therapeuten zu kriegen, denn da wäre so einiges zu tun und mit ein paar Wochen Klinik wäre das nicht getan (aber das wusste ich ja auch schon vorher). Aber sie meinte eben auch definitiv, mit ambulanter Therapie ist da gerade nicht viel zu helfen. Da muss mehr her… und eben vor allem auch mal etwas Ruhe, gerade vor meinem Vater. Und deswegen auch nicht Tagesklinik, denn dann wäre ich ja jeden Abend wieder hier und auch noch genau dann, wenn er betrunken ist. Kurz: ich bin kein Weichei, das übertreibt. Es ist ernst. Aber es wird sich was tun, und das so wie es aussieht schon bald!

Moah… mir schwirrt der Schädel. Ich glaub‘, da herrscht gerade noch mehr Chaos als vorher. Und ich fühl‘ mich, als wär‘ ich im Sportstudio gewesen… unglaublich, wie körperlich anstrengend reden sein kann…

8 thoughts on “Erleichtert (und fix und fertig)

  1. Uff… kein Wunder, dass du das Gefühl hast, bettreif zu sein!
    Aber schön, dass das Gespräch so gut war! Ich hoffe, die anderen Ärzte in der Klinik sind auch so gut, denn diese Ärztin wird ja wohl dann erstmal eine Zeitlang ausfallen….

  2. Es freut mich, dass das Gespräch solch ein Erfolg war und das sich was tut.
    Ich hoffe, die Bachblütenbonbons helfen dir, ich hab die übrigens immer im Doppelpack gefuttert.

    • Mich auch 🙂 Auch wenn ich gerade jetzt noch mehr Chaos im Kopf hab‘, als heute morgen…
      Vielleicht war das mein Fehler… das nächste Mal probier ich’s mal mit doppelter Dosis.

  3. wie wunderbar! hoffentlich geht das jetzt einigermaßen zügig, dass du hilfe bekommst. ich drück dir die daumen – und freu mich, dass es bisher gut gelaufen ist 🙂

    • Im Moment ist die Klinik wohl voll und ich komm‘ auf die Warteliste. Aber, wenn ich sie richtig verstanden habe, wollte sie schon versuchen, mich da ziemlich hoch zu setzen…
      Ich freu‘ mich auch, lief definitiv viiiiel besser als meine bisherigen Zusammentreffen mit Psychologen…

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