Hilfe? Nee… bloß nicht!

Keine Sorge, ich mach‘ jetzt keine 180°-Drehung… Ich hab‘ nur (zur Abwechslung) gegrübelt… Über Hilfe, darum bitten und sie annehmen… Ergebnis: Man könnte meinen, auf Hilfe wär‘ ein „Biohazard“-Warnschild drauf!

Ernsthaft! Ich mach‘ da im allgemeinen den größtmöglichen Bogen drum. Bei großen Sachen wie der Depression ja sowieso. „Ich komm‘ schon klar!“ Wenn ich für jedes Mal, wo ich den Satz rausgehauen hab‘, obwohl das effektiv so überhaupt gar nicht gestimmt hat, einen Euro bekäme… ich bräucht‘ nie wieder arbeiten, glaub‘ ich. Ab und zu hab‘ ich sogar mal gesagt, daß es mir „nicht gut geht“… aber sobald sich dann jemand Sorgen gemacht hat, Fassade hoch. „Geht schon!“ (Was mich, nebenbei bemerkt, nicht davon abgehalten hat, mich immer mal wieder zu fragen, wieso es eigentlich keiner merkt… öhm… Logik? Wird überschätzt, eindeutig!)

Auch ein Mäuschen-Klassiker: Wenn ich eine Blase am Fuß oder aus sonst einem Grund eben Schmerzen beim Laufen hab‘, dann humpel‘ ich genau so lange, bis mich einer drauf anspricht. Da kommt dann ein Abwinken, „ist nicht so schlimm“… und ab dem Moment beiß‘ ich mir die Zähne zusammen und versuch‘, so wenig wie möglich zu humpeln.

Genauso auf der Arbeit: Ich kleines knapp-50-Kilo-Persönchen versuch‘ partout, die 25-Kilo-Säcke allein durch die Gegend zu wuchten (naja… schleifen trifft’s wohl eher). Mein einer Kollege muss da jedes Mal hergehechtet kommen und sie mir wegnehmen. Mal fragen, ob wer mit anpackt? Die Maus doch nicht! Die hebt sich lieber einen Bruch! Und ärgert sich furchtbar, wenn einer mitbekommt, daß sie das nicht so wirklich hinkriegt und ihr hilft…

Und gestern fiel mir auf: Das geht sogar bei absoluten Mikro-Sachen so. Getränke-Flaschen oder sonstiges Zeug mit Schraubverschluß und ich stehen z.B. auf Kriegsfuß. Ich hab‘ einfach keine Kraft in den Händen. Wenn Nora Wimperntusche zudreht, kann ich vergessen, daß ich sie aufkriege. Eine Flasche, die nicht sofort und ganz willig fast schon von alleine aufgeht, bedeutet Probleme. Das weiß ich alles. Das weiß effektiv jeder, der mich einigermaßen kennt. Aber jedes Mal dreh‘ ich erst minutenlang an der Flasche, verzieh‘ das Gesicht… bring‘ damit alles um mich herum zum grinsen… und reg‘ mich darüber auf, wie man eigentlich zu doof sein kann, eine Flasche allein aufzukriegen. Bis jemand mir die Flasche dann abnimmt… Daß ich selbst aufgebe und frage, ob sie mir wer aufmacht… absolut hochgradig selten. Und wenn dann jemand anders das Problem gelöst hat… dann schimpf‘ ich innerlich vor mich hin und schäm‘ mich. Eigentlich völlig bescheuert. Weiß ich, ändert aber rein gar nix.

Irgendwie bin ich wohl der Meinung, ich müsste alles alleine schaffen (und dann am besten noch perfekt hinkriegen)… sonst wär‘ ich doof, unfähig, ein Versager eben. Ob das am Verhalten der Obermotte früher liegt? Und wie stellt man das ab?

3 thoughts on “Hilfe? Nee… bloß nicht!

  1. Genau!
    Anderen helfen – na klar, jederzeit gerne!
    Selber Hilfe annehmen – öhm… 😳

    „aber sobald sich dann jemand Sorgen gemacht hat, Fassade hoch. “Geht schon!” (Was mich, nebenbei bemerkt, nicht davon abgehalten hat, mich immer mal wieder zu fragen, wieso es eigentlich keiner merkt… öhm… Logik? Wird überschätzt, eindeutig!)“
    Kenn ich auch sehr gut. Und du hast Recht, ein Stück weit ist es wirklich unlogisch. Aber ich finde, dass es auch Menschen geben sollte, denen ich nichts vormachen KANN, selbst wenn ich es wollte. Meine Lehrerin ist zum Beispiel so jemand. Der konnte ich einfach nichts vormachen, sie hat es trotzdem irgendwie gemerkt. Und ich denke, wenn man jemanden wirklich gut kennt oder einem jemand wichtig ist, sollte man sich die Mühe machen, hinter diese Fassade zu schauen. Immer mal wieder vorsichtig nachzufragen, wenn man mit einem „passt schon“ abgespeist wird. Einfach da sein.

    • Anderen helfen? Hier bin ich! Da werd‘ ich sogar mitunter richtig aufdringlich… Die brauchen nur einmal niesen und ich will sie ins Bett packen, ihnen Hühnersuppe kochen…

      Ohja… so Menschen sollte man haben, eindeutig! Die dranbleiben, auch wenn sie nicht weiterkommen.
      Wo mir Bernd’s Reaktion auf mein erstes vorsichtiges „vielleicht wär‘ Klinik doch ganz gut…“ einfällt: „Ach? Haste jetzt beschlossen, du hörst mal auf mich? Es geschehen noch Zeichen und Wunder!“

      • Genau – und Menschen, die nicht nur dranbleiben, sondern wo ich das feste Vertrauen haben kann, dass sie es gut mit mir meinen. Dass sie Dinge nicht sagen, um sich besser dastehen zu lassen oder um ihr Weltbild zu bestätigen oder oder oder.

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