Schwarz-Weiß-Denken

Allgemein heißt das, daß man Dinge, Menschen, Situationen etc. entweder als „gut“ oder „böse“ sieht, schwarz oder weiß eben. Etwas dazwischen, also Grautöne, gibt es nicht. Wenn einem dann etwas graues über den Weg läuft, versucht man es einzuordnen, was natürlich nicht klappt, und schon ist man total aus dem Konzept.

Es heißt, Borderliner haben allgemein eine hohe Tendenz dazu. Bei Menschen, zu denen sie in einer Beziehung stehen, sollen es sogar alle haben, in mehr oder weniger schwerem Ausmaß. Als Beispiel findet man in Texten meistens dieses berühmt-berüchtigte „Ich liebe dich – ich hasse dich“.

Und genau wegen dem hab‘ ich mich sehr lange sehr schwer getan, mich mal damit auseinanderzusetzen. Ich hab‘ immer ziemlich schnell abgebrochen, weil… nee… so krass ist es nicht. Oder? Andererseits nimmt man ja sehr oft die extremen Beispiele, wenn man etwas verdeutlichen will. Mach‘ ich ja selbst auch ganz gern. Und dieses „Liebe – Hass“ könnte man ja auch mit etwas anderem ersetzen… „Vertrauen – Mißtrauen“ z.B., oder „ohne Maske – mit Maske“… oder „Nähe – Abstand“, „Kontakt – kein Kontakt“…

Je mehr ich drüber nachgedacht hab‘, desto mehr gingen die Gedanken in Richtung „hmpf… also irgendwie… ja, doch… so ein bißchen“. Und ich hab‘ mir vorgenommen, mal drauf zu achten. Als Hakon mir die Kochausbildung (vorerst) ausgeredet hat, mit einem einzigen Satz, da musste ich im Nachhinein dann schon schlucken. Denn auch wenn die Wut und die Verzweiflung dann relativ schnell verrauchten (Reden hilft eben manchmal doch!), und die Zweifel sich zumindest soweit aufgelöst haben, daß ich nicht glaube, daß es Absicht seinerseits war… die 2 Tage hab‘ ich ihn nicht nur wirklich gehasst, sondern auch alles, was er vorher gesagt hat, in Frage gestellt. Weil es eben nicht zu dem Satz gepasst hat. Aber naja… hat sich dann nach einem Gespräch ja gelegt. Die Wirkung zwar nicht, aber doch meine Reaktion Hakon gegenüber.

Und gestern… So schön der Abend war, einen Moment gab es, der echt unschön war. Und an dem ich heute schon den ganzen Tag knabber‘. Er hat mir den Abend nicht verdorben, das nicht. Naja… einen kleinen Teilbereich schon, aber der saß sozusagen sowieso mehr abseits für sich, da ging das mit dem Ignorieren ganz gut (auch wenn’s vielleicht fies klingt). Was ist passiert? Nicht viel. Eigentlich war’s nur ein Satz. (Kennen wir das nicht irgendwoher?). Die anderen fingen, wie ich ja erzählt hab‘, an zu pokern, Nicky und ich beschlossen nur zuzugucken und Bernd meinte, er würde im anderen Zimmerbereich bleiben und das Fußballspiel fertig gucken. Nicky fragte ihn noch einmal, ob er das auch wirklich wolle, oder ob er das nur mache, weil er nicht pokern wolle und es vielleicht doof fände, daß alle anderen eben pokern oder zugucken (was ich persönlich sehr nett und höflich fand, also ihre Frage mein‘ ich). Was sie nicht wusste war, daß Bernd eben manchmal (ok, meistens) eher der Typ ist, der zwar nicht allein sein mag, aber trotzdem für sich… heißt er mag zwar unter Leuten sein, aber eben still in der Ecke und sich mit sich selbst beschäftigen. Wenn man dann versucht, ihn doch zu überreden, sich „unters Volk zu mischen“… da reagiert er ziemlich allergisch drauf. Wer ihn gut kennt, weiß das, fragt vielleicht mal kurz „alles gut?“ und lässt ihn dann in Ruhe. Nicky aber eben nicht, so gut kennt sie ihn eben auch noch nicht. Also fragte sie nach, Bernd wurde stinkig und ließ folgenden Satz los „Ich komm‘ mir bei sowas immer vor, als würdet ihr denken, ‚wuuuh, den Bernd darf man nicht alleine lassen, sonst fängt er an sich die Arme aufzuritzen oder so’…“ – Es geht jetzt nicht darum, daß so ein Spruch sowieso für den Eimer ist. Das Problem in dem Moment war, ich stand daneben. Und hab‘ prompt erstmal die Ärmel noch weiter runtergezogen und die Arme verschränkt. Und hab‘ dann mühsam rausgekriegt „Taktgefühl ist nicht deine Stärke, oder?“, woraufhin er mich anguckt „wieso?“. Den Rest des Abends war ich dann eher kühl zu ihm und heute abend auch. Weil mir nicht in den Kopf geht, wie er so einen Satz in meiner Gegenwart loslassen konnte, und dann, trotz Hinweis, noch nicht einmal bemerkt hat, was er da gesagt hat, geschweigedenn sich entschuldigt hat.

Er sagt immer, ich solle lieber ihn nachts aus dem Bett klingeln und mich ausheulen, als Blödsinn machen. Und ich hab‘ ihm das geglaubt (zwar nicht gemacht, aber das steht auf einem Blatt mit einer anderen Überschrift). Und jetzt? Jetzt weiß ich es nicht mehr. Bis gestern Abend war Bernd eindeutig „weiß“, für mich da, mit Verständnis, auch wenn er nicht alles nachvollziehen kann… aber da passt dieser Satz nicht dazu. Und egal, wie oft ich mir seitdem sage „er war eben genervt, kennst doch seine Reaktion auf so Situationen, das ist ihm eben rausgerutscht“… es passt trotzdem nicht, denn dann hätte er das doch an meiner Reaktion merken müssen, oder? Spätestens, als er nicht mehr stinkig war… Aber nichts… Der vernünftige Teil von mir argumentiert dann damit, daß ich den Rest des Abends ja gute Laune hatte und mich gut amüsiert hab‘, und er daraus wahrscheinlich geschlossen hat, daß es nicht so schlimm war. Hilft aber auch nicht wirklich, der Gedanke. Denn eigentlich müsste er mich gut genug kennen, um zu wissen, daß ich in Gesellschaft fremder Leute bei dem Thema nicht zu viel Betroffenheit zeigen würde, um mich nicht „zu verraten“. Eigentlich… aber eigentlich müsste er eben auch wissen, wie so ein Satz sticht… und ihn sich deswegen verkneifen oder sich entschuldigen… wenn er „weiß“ wäre…

Naja… je mehr ich drüber nachdenke… und über vergangenes… es wird schon ein „weißer Moment“ kommen, der dann nicht zum „Schwarz sein“ passt… oder das Schwarz verblasst so lange, bis es weg ist… und dann ist Bernd wieder „weiß“. Das ist immer so, und wenn der vernünftige Teil noch so oft sagt, daß es irgendwie idiotisch ist… Die letzte Aktion, die einen Eindruck hinterlassen hat, zählt, zum Guten oder eben zum Schlechten…  und mit diesem Satz kann ich wohl an Schwarz-Weiß-Denken zumindest einen kleinen Haken machen.

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2 thoughts on “Schwarz-Weiß-Denken

  1. Wie war das ein bisschen weiter oben? Reden hilft eben manchmal doch..
    Also sprich ihn drauf an, sag ihm, was der Satz in dir ausgelöst hat. Ihm ist das vermutlich nicht klar und es im Raum stehen zu lassen, bis der nächste „weiße“ Moment kommt ist auch eher suboptimal.

    • Schon… da ist dieses „er müsste es doch sowieso wissen, hat’s trotzdem gemacht, also warum sollte es ihn jetzt interessieren? vielleicht war’s Absicht? vielleicht sagt er es noch öfter, wenn er eindeutig weiß, daß es dir weh tut?“-Teufelchen…
      Ich guck‘ heut Abend mal… vielleicht krieg‘ ich das ja zumindest zeitweise ruhig

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