Tagebuch…

Vorhin kam mir, nachdem ich mal wieder gefühlt ewig an meinen Entwürfen gebastelt hab‘, und ich dann genervt aufgegeben und lieber woanders rumgelesen hab‘, der Gedanke, daß ich früher echt mal Tagebuch hätte führen sollen…

Ich hab‘ teilweise wirklich Probleme, die Dinge, die mir im Kopf rumschwirren und auf der Seele liegen zu formulieren… und wenn, dann find‘ ich es zu quengelig, zu wirr, mit zuviel Galgenhumor oder zu distanziert… ich les‘ nochmal drüber und es gefällt mir einfach nicht.

Und dann liest man woanders rum… liest Beschreibungen von Gedanken und Gefühlen, die man sofort nachvollziehen kann… eben tolle Beschreibungen… und will das auch können und denkt sich „Himmel, Gesäß und Nähgarn, du bist angeblich intelligent, du bist einigermaßen gebildet und sonst doch auch nicht gerade auf den Mund gefallen! Du solltest das doch echt hinkriegen!“

Langsam glaub‘ ich, das ist einfach fehlende Übung. Ich bin es eben schlicht und ergreifend nicht gewohnt, das ganze Zeug auch mal auszusprechen, geschweige denn es aufzuschreiben… Wenn ich früher mal Tagebuch geführt hätte, würde mir das heute vielleicht nicht so schwer fallen…

Und auf einmal fiel mir ein: Ich hab‘ mal Tagebuch geführt, eine kurze Zeit in der 4. Klasse. Ich hatte gerade mal wieder keine Freundin, mit der ich hätte reden können, und hab‘ das erste Mal für einen Jungen geschwärmt (dieses unschuldige, vorpubertäre Tollfinden und Anhimmeln). Und musste das natürlich irgendwem mitteilen. Also, Tagebuch angefangen… und den völlig verblödeten Einfall gehabt, das dann auf die Klassenfahrt mitzunehmen. Es kam, wie es bei Murphy’s Zuneigung zu mir, kommen musste. Meine Zimmernachbarin hat es entdeckt und nichts besseres zu tun gehabt, als es allen zu erzählen. Die letzten Monate, bis wir uns auf die Gymnasien und anderen Schulen verteilten, waren dann sehr lustig, zumindest für die anderen…

Da hab‘ ich seit Jahren nicht mehr dran gedacht, aber jetzt wundert es mich nicht mehr, daß ich nicht mal Tagebüchern Zeug anvertraut hab’…

21 thoughts on “Tagebuch…

  1. Ich habe früher auch tagebuch geschrieben..irgendwann habe ich die Seiten rausgerissen und weggeworfen..und meine Mutter hat die rausgerissenen Seiten gelesen.. ganz großer Sport..hab es danach noch ein paar Mal versucht, aber irgendwie bekomme ich es nicht mehr hin..

    • Auch toll!
      Ich hab’s Ende letzten Jahres nochmal probiert. Hat genau so lange funktioniert, bis ich es mal mit bei Hakon hatte… Ich bin die ganze Nacht wachgeworden, sobald er sich auch nur umgedreht hat, weil ich Angst hätte, er steht auf und liest darin. Völlig idiotisch, denn 1. wusste er nix davon und 2. stand da nix drin, was er nicht schon wusste… Trotzdem…

      • Müssen wir uns erbärmlich vorkommen, weil wir nicht mal einem blöden Buch vertrauen??

      • Ne, müsst ihr müsst euch nicht erbärmlich vorkommen – ihr vertraut ja dem Buch, bloß nicht denen, die es womöglich in die Pfoten kriegen und den letzten Anstand vergessen :evil:. Ich bin mir ja nun wirklich nicht in allem ganz grün mit meinen Eltern, aber sowas hätten sie definitiv _nie_ gemacht.
        Wobei mein Tagebuchschreiben bis vor ein paar Jahren eh nur in Beschreibungen des Tagesablaufs und vielleicht mal ein paar Bemerkungen à la „Ich hasse Herrn Klassenlehrer“ und „mein Geschwisterkind ist doof!!!“ bestand^^

      • Danke. Das löst zwar das „technische“ Problem nicht, aber so herum betrachtet kommt man sich nicht ganz so doof vor 😀
        Hey! Da hast du doch um einiges mehr geschrieben als wir 😉 Jeder fängt mal klein an, oder so…

  2. „Himmel, Gesäß und Nähgarn“… Oh man, ich lese gerne hier, bei Dir muss ich immer irgendwie kichern. ^^ Ich muss sagen, ich mag, wie Du schreibst, weil das immer alles so wohlüberlegt und reflektiert klingt (kein Wunder bei all den Entwürfen ;D) – Du kannst das sehr wohl, also Gedanken und Gefühle beschreiben und Dein Überdenken eigener Verhaltensmustern imponiert mir immer ganz besonders. Mach weiter, ich finde nicht, dass Du Dir blöd oder unfähig oder so vorzukommen brauchst.

      • Oh, vielen Dank, jetzt weiß ich gar nicht so richtig, was ich sagen soll… Aber wenigstens weiß ich nun, wer sich da zur Zeit durch meine Archive stöbert. <: (Bin da immer ein wenig paranoid, so von wegen: Da hat mich jemand gefunden, der mich kennt und der weiß jetzt (so gut wie) ALLES über mich. Geht Dir das auch so?)

      • Äh… ja.. das war dann wohl ich 🙂 Und ich werd‘ mich noch weiter durchlesen, ich warn‘ dich schon mal vor!
        Ohja, und wie mir das genauso geht! Ich behalt‘ auch meine Suchanfragen immer ganz genau im Auge, weil mir doch ab und zu mal rausgerutscht ist, daß ich einen Blog habe. Bei meinem Kerl ist mir sogar der Name rausgerutscht, und 2 Tage später stand bei den Anfragen „Chaosmäuschen“! Schockschwerenot!

      • (Ich muss mal umständlich hier antworten, ich weiß nicht, ob dann die Kommentarreihenfolge noch stimmt…)
        Erst einmal: Aye aye, Kapitän C-Maus, ich werde Dein Handeln stoisch erdulden (müssen)!
        Und ja, hm, nachdem mich mal irgendwer (versehentlich?) unter meinem Blognamen oder gar meinem alten Blognamen gefunden hatte, hab ich mich aus dm Suchmaschinenverzeichnis löschen lassen.. Jetzt findet man nur noch die Hauptseite und nicht die einzelnen Artikel. (Falls das irgendeine Alternative für Dich wäre?)

  3. vielleicht auch ein problem zu hoher ansprüche? ich meine – was einem so durch den kopf geht, das ist oft wirr und chaotisch. da ist häufig keine wohlüberlegte ordnung drin. müssen es die texte, die aus den gedanken entspringen, dann sein? gut durchdacht, strukturiert, sauber geordnet und bis in den letzten buchstaben ausformuliert?

    und für manche dinge, insbesondere gefühle, gibt es auch nicht *die* treffende formulierung. da kann man nur versuchen, halbwegs passende worte oder bilder zu finden. glaub mir, selbst „routinierte“ schreiber tun sich damit mitunter schwer 😉

    ich schreibe ja schon sehr lange. über zehn jahre – handschriftliche tagebücher, hunderte seiten word-dokumente, blog… ich würde von mir selbst behaupten, dass ich ganz gut mit sprache umgehen kann… und trotzdem komme auch ich manchmal echt an meine grenzen, wenn ich versuche, bestimmte dinge in buchstaben zu verpacken. manches entzieht sich der sprache.

    • Ich? Zu hohe Ansprüche? Ach was… *hust*
      Irgendwie hab‘ ich immer die Befürchtung, daß es nicht so rüberkommt, wie ich es meine… Wobei es bisher ja eigentlich immer ganz gut hingehauen hat…
      Aber gut zu wissen, daß ich nicht die Einzige bin, die da manchmal mit den Worten kämpft!

      • sowas kann immer passieren. ich hab auch schon mehr als einmal artikel geschrieben und anhand der kommentare dann gemerkt, dass irgendwie nicht ganz klar wurde, was ich sagen wollte. aber dann ist das halt so. dann kann man auf die kommentare antworten und versuchen zu erklären, was man eigentlich meinte. oder man schreibt einen neuen artikel, mit anderen worten und anderen formulierungen. (und bei ein, zwei themen habe ich persönlich mich inzwischen damit abgefunden, dass ich es nicht verständlich machen kann – in verschiedenen artikeln darüber geschrieben, verschiedenste worte und bilder und vergleiche – aber so wirklich verstanden wurde es nie. blöd, aber ist halt so.)

        du bist definitiv nicht die einzige!! achte mal beim lesen anderer blogs drauf, wie oft du da über sachen stolperst wie *nach worten such* *keine worte find* *wie schreib ich das jetzt am besten?* *doofer vergleich aber was besseres fällt mir nicht ein* *hoffentlich wurde klar, was ich sagen wollte* etc. solche ausdrücke sind gar nicht mal sooo selten 😉

  4. Das Schreiben, das Herauslassen aller Gedanken und Gefühle, auch ohne sie jemals ein andere als man selbst lesen wird, kann wirklich sehr gut tun und befreiend sein.
    Ich habe in meiner Jugend auch Tagebuch geschrieben…. bis meine Mutter es gelesen hat 😦 Irgendwann hab ich dann alle Tagebücher weggeworfen, zu groß war die Befürchtung, sie könnten noch mal in falsche Hände geraten.

    Heute, wo man in geschützten Dateien oder entsprechenden Apps auf dem Rechner schreiben kann, habe ich auch wieder damit angefangen. Auch beim Bloggen merke ich, wie ich mit der Zeit immer offener werde und Dinge schreibe, an die ich vor einem halben Jahr, als ich damit angefangen habe, nicht mal gedacht hätte. Das kommt natürlich durch die Lektüren anderer Blogs und der Offenheit der Schreibenden, das macht auch selbst mutiger.

    • Das mit den Tagebüchern scheint häufiger vorzukommen… Echt schade, befreiend ist es nämlich wirklich.

      Ohja, das kann ich so unterschreiben. Ich hab‘ letztens nochmal durch meinen Blog geblättert und damit verglichen, wie viele Blogs ich zu der Zeit gelesen hab‘ und wie viele Kommentare hier kamen… Je mehr, desto mutiger. Gibt immer noch einiges, was ich mich nicht traue, zu schreiben, aus teilweise seltsamen Gründen (find‘ ich zumindest)… aber ich bin relativ optimistisch, daß das auch noch wird 🙂

  5. In den letzten Jahren hab ich das Tagebuch gebraucht – gerade nach irgendwelchen Gesprächen musste ich meine Gedanken festhalten. Das kann dann schon mal chaotisch sein oder sich wiederholen… aber das ist auch der Grund, warum ich lieber am PC schreibe, weil ich dann eben nochmal drübergehen, sortieren etc kann. Ins Buch schreibe ich eigentlich nur, wenn ich keine Möglichkeit habe, am PC zu schreiben – also unterwegs, auf Freizeiten oder so.

    • Ich hab‘ heute „entdeckt“, daß PC noch einen Vorteil hat. Wenn Hirn mal einen guten Tag hat, und Zeug ausspuckt… da kommt die Hand teilweise gar nicht mehr mit. Und dann ist Hirn schon einen Satz weiter und die Hand versucht hinterherzuhecheln… und überspringt einfach mal einen Teil. Nur gut, daß ich mir meine Prüfung nochmal durchgelesen habe. Da fehlten teilweise echt ganze Satzteile!

      • Stimmt, da war was *g* die Geschwindigkeit ist bei mir auch manchmal der Grund. In der Klinik bin ich manchmal von der Therapie gekommen und hab schnell den Laptop eingeschaltet, weil ich sooooo voll von Gedanken war, die unbedingt aufgeschrieben werden mussten.

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