Ines…

Die Mutter von Bernd, meine Ex-Schwiegermutter…

Anfang Februar ist sie gestorben. Sie hat immer gekämpft, aber beim 4. Mal hat der Krebs dann doch gewonnen. Bernd hat mir zwar gesagt, daß sie wieder krank ist, aber nie, daß es so schlimm ist. Und dann kam Christian’s Anruf… Bernd hatte ihn gebeten, uns anderen Bescheid zu sagen… und die Nachricht hat mich komplett umgehauen. Das hat mich am Anfang verwirrt, weil sie nicht die Erste ist, die ich kannte und die gestorben ist. Aber bei den Anderen schulter zuck  da fand‘ ich es zwar schade und es tat mir leid für die Angehörigen und Freunde, aber ich hab‘ mich nicht dazugezählt, wirklich traurig war ich nicht. Aber Ines…

Ich hatte Bernd angeboten, mit zur Beerdigung zu gehen, aber am Ende fand sie im ganz kleinen Familienkreis statt. Und Zitat „Ich glaube zwar, sie hätte dich dazugezählt, aber wie soll man das den Familienmitgliedern erklären, die nicht eingeladen werden?“ schluck

Anfang Mai wäre ihr Geburtstag gewesen, und Bernd hat mich gefragt, ob ich dann mit zu ihrem Grab kommen wolle. Ich hab‘ sofort „ja“ gesagt, ich wollte hin und mich verabschieden. Er sagte noch, es wäre vielleicht komisch, mich zu fragen, aber „mir fällt einfach kein anderes Geburtstagsgeschenk ein und sie würde sich bestimmt freuen“. Tränchen aus den Augen wisch

Der Friedhof ist echt schön. Naja, eigentlich ist es kein Friedhof, sondern ein Ruheforst, ein Waldstück, das zur Urnenbestattung reserviert ist. Ohne Grabsteine oder ähnliches, man darf einen schönen Naturstein hinlegen, an den Bäumen hängen (auf Wunsch) ganz schlichte Schilder mit den Namen… mehr nicht. Davon abgesehen ist es einfach ein Stück Wald, aber so schön, so beruhigend, und irgendwie tröstend. Als wir dann da waren, kullerten mir einfach nur noch die Tränen über die Wangen, Bernd auch, wir haben uns gegenseitig in den Arm genommen… und als ich sagte „ich hatte sie so lieb“, sagte er „sie dich auch! das weiß ich!“… da war endgültig vorbei.

Und in dem Moment schoß ein Gedanke durch meinen Kopf… und auf einmal wurde mir erst richtig klar, warum ich diese Frau so lieb gehabt hab‘, warum ich mich früher jedes Mal, wenn Bernd sagte „wollen wir noch kurz bei meinen Eltern reingucken?“ so tierisch gefreut hab’… und warum ich sie so fürchterlich vermisse.

„Ich vermiss‘ dich, Mama!“

Ich hab‘ sie in Gedanken „Mama“ genannt… und da fiel mir erst wirklich auf, daß ich sie so gesehen habe. Sie war Bernds Mutter… aber auch zu mir war sie wie eine Mutter, wie die Mutter, die ich so nie hatte.

Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Wir mochten uns vor 4 Jahren einfach auf den ersten Blick, haben uns super verstanden. Zu jedem Familienfest wurde ich eingeladen, egal, wie klein der Kreis war. Wenn ich sagte, es ginge mir nicht gut, machte sie sich Gedanken und wollte helfen. Sie hat sich so gefreut, als ich die Ausbildung anfing, und Spaß daran hatte. Wenn ich mal wieder was gebacken hatte und ihr was mitbrachte… sie freute sich tierisch, sagte, wie lecker der Kuchen wäre (mein Vater guckt von mir gebackenes meist an, und isst dann einen gekauften Muffin… und mir fällt auch gerade auf, daß ich seit der Trennung von Bernd fast nur noch für Feste gebacken hab‘, nicht mehr einfach so…). Wenn sie und Bernds Vater in Urlaub nach Spanien fuhren, brachte sie mir Turrón mit, meine Lieblingssüßigkeit (und einmal hat sie sogar vergessen, Bernd auch eine Tafel mitzubringen… moah, war der stinkig! :D). Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, ich wäre für sie die Tochter, die sie nie hatte schnief   Und auch nach der Trennung hat sich das nie geändert. Ich glaube sogar, sie fand es toll, daß wir befreundet blieben. Zumindest wurde ich auch weiter zu sämtlichen Familienfesten eingeladen, und auch manchmal einfach so zum Kaffee trinken. Und jedes Mal strahlte sie mich an und umarmte mich zur Begrüßung und… boah, ich vermiss‘ sie so!

Warum hab‘ ich erst wirklich kapiert, wieviel mir diese Frau bedeutet, als es zu spät war? Ich würde es ihr so gerne sagen…

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