Seifenblasen…

Manchmal sitz‘ ich da und denk‘ mir „Maus, du bist schon ein ganz schönes Weichei! Sooo schlimm war das alles doch gar nicht! Da gibt’s viel schlimmere Geschichten, und gerade als Kind ging es dir doch eigentlich ganz gut…“

Stimmt ja auch eigentlich. Ich hatte vielleicht keine Markenklamotten, aber sie waren sauber und ohne Löcher oder sowas. Ich musste nicht hungern (auch wenn das einem hungrigen Kind durchaus so vorkommen kann, wenn es 3 Stunden bis zum Abendessen warten muss). Ich wurde nicht tagelang alleine gelassen oder war verwahrlost. Ich wurde nich geschlagen (bis auf eine Ohrfeige, als ich im Kindergarten das Wort Arschloch aufgeschnappt hatte und es abends meinem Vater an den Kopf schmiss…). Missbraucht wurde ich auch nicht. Und ich kann mich auch wirklich nicht dran erinnern, daß ich von der Trinkerei meines Vaters damals viel mitbekommen hätte.

Und trotzdem… im Rückblick war ich, als irgendwann das „Mobbing“ (findet eigentlich noch jemand, daß dieses Wort irgendwie… weiß nicht… viel zu positiv klingt, wenn man bedenkt, was das anrichtet) anfing, schon kaputt irgendwie… und so vieles hätte bestimmt nicht soviel Eindruck gemacht und so eine Narbe hinterlassen, wenn es damals anders gewesen wäre. Vielleicht wären viele Sachen auch gar nicht erst passiert, wenn ich mich anders entwickelt hätte (bzw. hätte entwickeln können).

An dem Punkt frage ich mich dann manchmal, ob ich nicht trotzdem anders hätte werden können. Mein Vater war ja für mich da (wenn er da war). Hätte ich mich als Kind nicht einfach daran festhalten und das Verhalten meiner Mutter eben ignorieren können? Wenn ich stärker gewesen wäre? Oder hätte ich nicht einfach irgendwann mal einen Strich machen können/sollen, es abhaken und weitermachen oder neu anfangen? Wenn man bedenkt, was andere durchmachen mussten/müssen, stell‘ ich mich dann nicht unheimlich an?

Die Gedanken (oder zumindest ähnliche) hab‘ ich wohl nicht allein. Gedankenkarussell hat sowas schon mal geschrieben, EinBlickInsInnere auch…

Letztens hab‘ ich mich mit einem Bekannten im Skype darüber unterhalten. Der sagte, er könne die Gedanken nachvollziehen, aber ich solle mir mal eine Sache hinter die Mauseohren schreiben:

„Kinderseelen sind so zerbrechlich wie Seifenblasen. Es ist egal, ob du sie mit einem Grashalm oder einem Hammer kaputt machst… das Ergebnis ist das Gleiche!”

Das hat mich schwer beeindruckt und ich hab’s mir hinter die Ohren geschrieben. Denn er hat Recht. Kinderseelen sind wahrscheinlich das Zerbrechlichste, was es gibt. Die werden erst stabiler, durch Aufmerksamkeit, Zuwendung, Liebe – eben die Dinge, die ein Kind erfahren sollte. Wenn es aber hauptsächlich das Gegenteil erfährt (und meine Mutter war eben mehr präsent als mein Vater mit seinem Schichtdienst)… dann kann man dem Kind keinen Vorwurf machen, wenn es kaputt geht oder zumindest schwer beschädigt wird und dadurch später leichter kaputt geht.

Jetzt muss ich es nur noch hinkriegen, immer an diesen Satz zu denken, wenn die Gedanken wieder anfangen… aber es klappt schon manchmal. Und jeder Fortschritt zählt!

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10 thoughts on “Seifenblasen…

  1. Hm… klingt im ersten Augenblick gut… aber Hirn hat schon entdeckt, wo der Vergleich hinkt: eigentlich begegnet doch jedes Kind mal jemand, der mit einem Grashalm in seine Seifenblase piekst, oder?

    • Hm… ja schon. Aber ich könnte mir vorstellen, daß Kinder, die mehr beachtet, umsorgt und aufgebaut werden, eine stabilere Seifenblase bekommen oder daß ihre Seifenblase von diesem Gefühl des Geliebtwerdens zum Teil abgeschirmt wird. Daß ein „nein, mit dir wollen wir nicht spielen“ von den anderen Kindern im Kindergarten keine (so große) Narbe hinterlässt, wenn man zuhause ein „versteh‘ ich gar nicht, du bist doch toll!“ (oder so) hört, anstelle eines „na, dann überleg‘ dir mal, woran das liegen könnte“. Vielleicht irre ich mich, aber es klingt für mich irgendwie logisch.
      Wenn die Seifenblasen-Theorie nicht stimmt, gibt’s ja irgendwie nur 2 Möglichkeiten: Ich bin wirklich ein Weichei… oder da draußen laufen noch viel mehr Kaputte rum, als man denkt. Beides keine wirklich schöne Vorstellung…

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