Die Ibiza-Maus

Die Ärztin hatte ja gefragt, worüber ich im Moment am meisten grübel… und ich hab‘ gesagt, ich versuch‘ das mal aufzuschreiben…

Ich frag‘ mich manchmal (bzw. im Moment eben sehr oft), was meine ibizenkischen Freunde denken würden, wenn sie mich hier sehen würden. Gerade in der letzten Zeit, aber auch schon vorher, auch bevor ich dort lebte. Wahrscheinlich wären sie schwer überrascht und verwirrt, vielleicht sogar ein bißchen schockiert… Denn sie kennen mich soooo anders.

Ich war zwar auch auf Ibiza nicht der mutigste, von sich selbst überzeugstete Mensch… Aber irgendwie…

Ich zweifelte nicht an meinen Freunden, kein bißchen. Die mochten mich PUNKT. Und dabei haben in Deutschland in den ganzen Jahren, bevor ich endlich dorthin gegangen bin (den Entschluß, dorthin auszuwandern, fasste ich mit 12! getan hab ich’s dann mit 19…), immer mal wieder Leute versucht, mich vom Gegenteil zu überzeugen (und ich frag‘ mich heute noch wieso). Sie sagten, meine Ibiza-Freunde wären nur nett zu mir, weil man eben nett zu Touristen ist, gerade zu denen, die oft kommen. Was für ein Quatsch! Es gab genug andere, die jedes Jahr kamen, die meisten wurden dann begrüßt und mehr nicht. Aber die Maus und ein paar andere… denen lief man strahlend entgegen, umarmte sie, knuddelte sie, fragte sie, wie es ihnen geht, wie lange sie bleiben, was sie so im letzten Jahr gemacht haben, ob sie abends in die Dorfdisco kommen… Da kamen Leute nachmittags hoch zum Hotelpool, und der Aufstieg zu diesem auf einer Klippe liegenden Hotel ist kein Zuckerschlecken, gerade in der Nachmittagssonne…

Ich fand mich nicht sensationell hübsch, aber doch annehmbar. Und mit „etwas“ Aufhübscharbeit kam es auch durchaus vor, daß ich in den Spiegel guckte und mir das, was ich da sah, wirklich gefiel…

Neue Leute kennenlernen? Kein Problem! Maus quatschte mit Leuten, die ihr sympathisch waren… einfach so, ohne sich groß Gedanken zu machen, wie sie gerade ankommt, ob sie zu laut lacht, oder zuviel, oder zu wenig… Die Leute selbst ansprechen war zwar trotzdem erstmal ein kleiner Kampf mit mir selbst, aber im Vergleich zu denen, die ich hier habe, ein Kinderspiel. Und wenn mich jemand ansprach, hatte ich nicht das dringende Bedürfnis, mich bitte ganz schnell in ein Mauseloch zu verkrümeln.

Abends Lust wegzugehen, aber alle anderen haben keine (oder keine Zeit)? Kein Problem! Dann ging die Maus eben alleine weg. Irgendjemanden kennt man schon, und wenn nicht… tanzen tu ich sowieso alleine. Hier war ich seit Monaten nicht mehr in der Disco, obwohl ich das liebe. Entweder konnte ich mich nicht wirklich dazu aufraffen… oder es fand sich niemand, der mitwollte/konnte, und alleine… ach nee… lass mal.

Wenn ich keine Lust hatte, zu kochen, ging ich eben in ein Restaurant, mit einem Buch als Begleitung. Und dachte nicht, daß das doch peinlich wäre… oder daß der Kellner mich gerade über das Buch ausfragt, weil ich ihm leid tue.

Als ich mal wieder im Tattoostudio „meines“ Tattoowierers rumhing und seine Zeichenkünste und vor allem seine Geschwindigkeit dabei bewunderte, sagte er „das kann jeder! man muss nur üben!“. Kurzes „nee, ich kann das nicht“ von mir. Und er erklärte mir, wie er es gelernt hätte, durch Abzeichnen, dann Abzeichnen und das Motiv verändern… und irgendwann käme man ganz alleine dazu, eigenes Zeug zu zeichnen. Und anstatt die nächsten Tage oder Wochen mit sich selbst zu diskutieren („kann ich doch sowieso nicht“ – „aber probieren könnte man es ja mal…“ – „nee, lass mal, das sieht dann bloß scheiße aus!“), zog die Maus noch am selben Tag los, holte sich eine Zeitschrift mit Vorlagen und fing an. Und fand die Ergebnisse sogar gut, nicht perfekt, aber doch gut, gerade für die ersten Versuche…

Ich mein‘, es war nicht immer alles sonnig, und ich hing auch oft genug in den Seilen, oder hatte einen Hirnkrampf vor Unsicherheit oder Selbsthass… aber es war eben nicht der Normalzustand. Die meiste Zeit ging es mir gut. Und ich hatte Spaß am Leben. Und das ohne mich dafür anstrengen zu müssen. Wieso ging das da? Und wieso geht es hier irgendwie nicht, und wenn dann nur für kurze Zeit?

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5 thoughts on “Die Ibiza-Maus

  1. Mahlzeit!
    Google hat mich auf deinen Blog geleitet. Wenn man Selbstbeschreibung sucht, stolpert man irgendwann hier drüber.
    Ganz schön sarkastisch wenn man eigentlich „lustige Selbstbeschreibung“ eingegeben hat.
    Ich finde deinen Schreibstil gut.
    Ich kenne dich, die ganze Vorgeschichte und Probleme nicht.
    Ein wirklicher Problemlöser bin ich auch nicht.
    Nobody is perfekt. Naja, schon aber auf 90% der Weltbevölkerung trifft das
    90% sind also nicht so wenig, deshalb kommentier ich das ganze mal.

    Wenn es dir woanders (z.B. Ibiza) besser ging und alles leichter viel, weil du freier und einfach du sein konntest ohne weitere Gedanken zu verschwenden, warum bist du dann nicht woanders (im Sinne von Ibiza), sondern da wo du bist?

    Da war alles so sonnig und einfach!
    Vielleicht ein doofer vergleich. Ich nehm mal mich. Ich wohne in Mitteldeutschland, gehe meinen Alltag nach und finde das alles bescheiden. Aber ich habe ein Ziel. Meer! Ich liebe das Meer. Egal ob französische Atlantikküste oder Ostsee. Sobald ich die See sehe, bekomme ich ein fettes Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht. Ich liebe die Luft, die Fichten oder Buchenwälder, das Rauschen des Meeres, den Strand. Das ist ganz anderes Feeling. Ich bin dort ein ganz andere Mensch und persönlich viel glücklicher.
    Hier will ich sein, da möchte ich bleiben.

    „Ich fand mich nicht sensationell hübsch, aber doch annehmbar.“
    Siehe oben.
    Hübsch ist immer Ansichtssache und jeder hat zum Glück eine andere Ansicht. Wenn man dann noch die HD Gläser aufsetzt, sieht man auch nicht nur verschwommen, sondern wow, voll klar.
    Wäre auch doof, wenn dich jeder geil finden würde.
    Zu der rührende Geschichte mit diesem Wolf oder Hakon oder wie auch immer. So wie du über ihm schreibst bestehen ja schon gewisse Sympathien. Aber nach einem Telefongespräch, ist wohl Funkstille.
    Da fällt mir nur ein Lied zu ein:
    Sven Schuhmacher – Aufstehn, Aufeinander zugehn
    Das sollte man halt wirklich wörtlich nehmen. Denn leider denken wir immer wie Tocotronic – Macht Es Nicht Selbst

    „einfach so, ohne sich groß Gedanken zu machen, wie sie gerade ankommt, ob sie zu laut lacht, oder zuviel, oder zu wenig…“
    Lachen macht gesund, genau! Ich lache auch sehr gerne und viel, zwar meist mit Hilfsmitteln aber naja.
    Vielleicht wäre ja Lach-Yoga was für dich (würde ich auch mal mitmachen)

    Ich kann jedem nur empfehlen, sich dem Känguru zu öffnen.
    Daher empfehle ich Marc-Uwe Kling mit
    Teil 1: Die Känguru Chroniken
    Teil 2: Das Känguru Manifest
    Irrsinnig witzig. Ich habe zum Mittag auf Arbeit immer mal eins, zweit Kapitel vorgelesen, was immer sehr unterhaltsam und witzig war. Wenn man nix zum lachen hat, das Känguru abhilft.
    https://www.reimkultur-mv.de/?SPId=muk&prodCat=BUC&tag1=&tag2=&tag3=&CLl=&CRr=&CNt=prod_cat_view

    Zum Beispiel lache ich sehr gerne und viel auch über total bescheuerte Sachen. Lachen macht gesund!


    Irgendwo war die Frage: Erschreckend, gibt es noch schlimmere Menschen.
    Klar! Schlimmer geht immer:
    http://www.neudeutschland.org/ (guck dir die Pfeifen, da haben sich was ganz krasses ausgedacht! Einfach einen Staat neu gründen, mit eigener Krankenkasse + Zulassungsstelle)

    Mr. Floppy mit seinen tiefen abgründen.

    Es geht immer tiefer und schlimmer. Doch ne Lebenskurve zeigt nie immer steil nach unten, sondern auch mal steil nach oben.

    Ich wünsch dir viel Erfolg bei dem was ansteht!
    Achja und hier ist nichts kritisch gemeint. Freie Meinungsäußerung. Ein Blog besteht ja nicht nur aus einer Art Tagebuch, sondern auch aus Kommunikation.

    Horrido
    Mr. Floppy

  2. Wie lange warst du denn auf Ibiza und was hast du da gemacht – „nur“ Urlaub?
    Wobei auch die Urlaubs- und „es ist etwas besonderes“-Atmosphäre für mich solche massiven Unterschiede nicht hinreichend erklärt.
    Wie warst du denn in der Zeit vor Ibiza – genauso wie jetzt?
    Ist ja echt spannend, solche Unterschiede kenne ich von mir nicht. Ich kenne zwar „ängstliches Gedankenkarrussel“ und „nicht ängstliches Gedankenkarrussel“, aber ich weiß halt auch, wann und warum es von „nicht ängstlich“ zu „ängstlich“ umgeschlagen ist. Mittlerweile gibt es zwar Situationen, wo ich wenig(er) Angst hab, aber nur, weil ich die Situation und die Leute einschätzen kann und meine Strategien habe.

    • Erst war ich immer nur im Urlaub da. Aber nach dem Abi war ich dann „richtig“ da, zum leben eben. Hab den 1. Sommer als Fremdenführerin in einer Tropfsteinhöhle gearbeitet und dann als Kellnerin, im Sommer in demselben Hotel, wo wir vorher die Urlaube verbracht haben, und im Winter in einer Pizzeria…
      Vorher? Jap, ziemlich wie jetzt. Aber nicht depressiv, zumindest nicht andauernd… Selbstbewusst war ich da eigentlich nur, wenn Nora dabei war, aber auch dann nicht immer. Ich hab‘ mich oft genug hinter ihr versteckt, sozusagen…

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