Lebenszeichen

Da mein Vater heute nicht zuhause ist, darf ich ein paar Stunden nach Hause, obwohl das am 1. Wochenende eher unüblich ist. Und was macht Maus hier als erstes? Richtig! Laptop an, Lebenszeichen geben 🙂

Also kurze Zusammenfassung:

Dienstag war erstmal hektisch. Maus schafft’s ja trotz Packliste die Hälfte zu vergessen. War klar, oder? Das also noch schnell zusammengesucht, mit Vater geredet und los… Dann wurde ich von der Oberschwester rumgeführt, waren aber „etwas“ viele Informationen auf einmal für eine aufgeregte Maus. Zimmernachbarin kennengelernt, gleich gemocht, und schon mal beruhigt. Die Mitpatienten sind sowieso klasse! Als ich verschüchtert in der Raucherecke stand, haben sie mich gleich dazugeholt und eingebunden. 🙂 Dadurch war der 1. Tag dann richtig nett und zwar ungewohnt, aber nicht schlimm. Durch Aufnahme und Umgucken hatte ich dann ja auch gut was zu tun.

Mittwoch war… naja. Fing morgens schon an mit EKG. Ich war noch nie (!) in einer Klinik, und EKG hatte ich auch noch nie. Der Pflegeschüler brachte mich dann dahin, vergass aber irgendwie nachzufragen, ob ich das kenne. Und dadurch auch, mich vorzuwarnen, daß ich dafür den Oberkörper komplett freimachen muss. Prinzipiell hab‘ ich damit kein Problem, ich lege mich auch am Badesee oben ohne hin, wenn ich Lust hab‘. Aber dann weiß ich das eben vorher! Da kann ich mich da seelisch drauf vorbereiten. Und so… schüttel  Aber (und da bin ich ganz stolz drauf!) ich hab‘ ihm das hinterhergesagt (nach der dazugehörigen Angstattacke) und er hatte anscheinend ein schlechtes Gewissen. Eine halbe Stunde später kam er nämlich extra zu mir, fragte ob alles in Ordnung ist und als ich dann sagte „joa, ist nur irgendwie doof, daß ich immer noch keinen Therapieplan hab‘, und nicht weiß, was ich machen soll… und mein Bezugspfleger wurde mir auch noch nicht genannt, also bin ich noch etwas planlos“… da hat er mir dann erstmal den Plan besorgt und mich beruhigt, daß sich das mit dem Bezugspfleger bald klären würde. Nach dem Mittagessen war dann auf einmal irgendwas im Busch, meine Zimmernachbarin (K.) war total durch den Wind und am heulen, aber als ich nachfragte, wollte sie alleine sein. Ich hab‘ dann einen Mittagsschlaf gemacht, vorm Selbstsicherheitstraining. Und wurde von der Schülerin geweckt, die K. suchte, und mir dann sagte, K. und L. (eine andere Patientin, mein Alter, gleicher Musik- und Filmgeschmack 🙂 ) würden die Zimmer tauschen. Da war ich erstmal verdutzt und fragte mich, was denn wäre. L. sagte, ich solle das mit K. klären, sie würde sich nicht einmischen wollen (versteh‘ ich auch). Ratet mal, was die Maus die nächsten 45 Minuten machte! Nachfragen? Ich doch nicht! Ich hab‘ mir einen Riesenkopf gemacht, was ich gemacht hätte. Vor allem, weil ich den Eindruck hatte, K. und ich würden uns gut verstehen… Ich wollte auch schon das Selbstsicherheitstraining absagen, vor allem, weil K. da auch mitmachte. L. hat mich aber hingeschleppt, und wir haben die Sache dann direkt da geklärt. lachend den Kopf schüttel Ergebnis: K. und ich sind bescheuert! 🙂 Das einzige Problem war, daß meine Klamotten eben nach Rauch riechen, da ich auch in der Wohnung rauche. Und K. ist zwar selbst Raucherin, raucht aber zuhause nicht in der Wohnung, und der Geruch war ihr dann eben unangenehm. Kann ich nachvollziehen, und nehme ich jetzt nicht persönlich. Was sie allerdings nicht wissen konnte, und da sie mich eben wirklich mag, wollte sie mir nicht weh tun. Hätte ich mich direkt getraut zu fragen, hätte sich das auch gleich geklärt. Merke: Reden hilft! lach (Und ich find‘ den Umstand, daß das direkt vor dem Selbstsicherheitstraining war, immer noch herrlich!)

Donnerstag fing auch eher bescheiden an, was auch wieder mit an mir lag… An dem Tag habe ich nur eine Therapie im Plan, Ergo. Die fällt in die 2. Hälfte der Visite. Mir wurde gesagt, ich solle auf dem Zimmer warten, die würden da vorbeikommen, und zwar so, daß das zeitlich hinkommt. 10:15 sollte die Ergo anfangen, 10:05 war die Visite im Nebenzimmer. Ich war mir unsicher, ob ich nun losgehen soll, oder warten, und fragte nach. Anweisung war dann: kurz warten, die würden ja gleich kommen, und wenn ich ein paar Minuten später käme, wäre nicht schlimm. 10:30: niemand kommt. 10:45: Hirn ist in heller Aufregung. „Hallo? Habt ihr mich vergessen? Was ist mit meiner Therapie?“ 11:00: Maus hat mittlerweile einen Krampf im Hirn, und geht erstmal raus, eine rauchen. Auf dem Weg raus seh‘ ich, wie die Visite aus dem 4. Zimmer nach mir kommt (also meins übersprungen hat). Da war dann endgültig vorbei und ich hab‘ geheult. So hat mich dann eine Schwester gefunden, sich gleich um mich gekümmert und mich versucht zu beruhigen. Um 11:20 kam dann zum Glück auch L., die auch beruhigend auf mich eingeredet hat und mir eingeschärft hat, das bei der Visite anzusprechen (Kommentar von mir: „Joa, vorausgesetzt, denen fällt irgendwann auf, daß ich auch noch da bin!“) 11:40 kamen sie dann endlich mal. (Soviel zum kurz warten!) Es stellte sich heraus, daß die ausnahmsweise durcheinander durchgegangen sind, weil wir 40% türkische Patienten haben und da eine Dolmetscherin mitgeht, die noch woanders hinmusste. Und danach sind sie die Zimmer dann in umgedrehter Reihenfolge durchgegangen, wodurch meins ans Ende der Visite rutschte. Das wusste die Schwester, die mich informiert hat, aber nicht… Ich hab‘ dann auch angesprochen, daß ich immer noch nicht wüsste, wer mein Bezugspfleger wäre (hust war gelogen. Ich hatte den Nachtdienst „ausspioniert“, wusste also den Namen mittlerweile, aber mal angesprochen hatte die Schwester mich immer noch nicht). Es sollte sich drum gekümmert werden. Später dann wieder Mittagsschlaf (heulen macht müde), aus dem mich eine Schwester weckte, um mir mitzuteilen, daß es Kaffee gäbe. (Ich glaub‘, das hat sie gemacht, damit ich merke, daß es eben doch wichtig ist, daß es mir gut geht, woran ich morgens ja prompt gezwiefelt hatte… Fand ich voll süß! 🙂 ) Eine Stunde später kam die Oberschwester auf mich zu und erklärte mir, daß es leider etwas schief gelaufen wäre mit dem Bezugspfleger, da mich die Schülerin aufgenommen hätte und deswegen zwar schon sie meine Bezugsperson wäre, aber eben mit ausgebildeter Fachkraft im Hintergrund, die übrigens sie wäre (grins auf der Liste stand abends jemand anders…). Der restliche Donnerstag verlief dann nett. Bernd hat mich besucht (hat er auch direkt Dienstag schon…), mit den Mitpatienten verstand ich mich zu dem Zeitpunkt schon richtig gut (besonders mit L., weswegen es em Ende sogar richtig toll ist, daß sie die Zimmer mit K. getauscht hat!).

Gestern war ziemlich ereignislos. Die erste Therapie gehabt, das erste Einzelgespräch… Während meinem Aufenthalt soll jetzt „richtig“ geklärt werden, ob ich Borderlinerin bin. Aber meine Ärztin, Frau B., meinte schon, es sähe schwer danach aus, und sie und ich würde so oder so in die Richtung arbeiten. Ich bekomme nun also zumindest eine DBT-Einführung. Meine „Hausaufgabe“ für’s Wochenende ist übrigens, mir zu den Kriterien Gedanken zu machen, und zu jedem einen Satz zu schreiben kicher. Nachmittags stand auf meinem Plan „Medikamentengruppe“, die aber dann darin resultierte, daß „meine“ Oberschwester und ich uns unterhielten, wie es mir denn geht, was gut läuft, was noch besser laufen könnte und so weiter. (Wahrscheinlich als „Ausgleich“ für das Bezugsperson-Wirrwarr der ersten Tage 😉 )

Fazit bisher also: Ich mach‘ mir das Leben schwerer als es sein müsste. Wundert das jetzt jemanden? Nee, oder? Aber ich bin ganz stolz auf mich, daß ich so oft dann was gesagt habe. Es gab noch ein paar kleinere Sachen, wo ein (wahrscheinlich locker und witzig gemeinter) Spruch bei mir erstmal einen Krampf ausgelöst hat, aber die hab‘ ich ganz gut mit meinem MP3-Player überstanden… Und ich find’s toll, daß die jedes Mal drauf eingegangen sind, und mir danach dann extra das Gefühl vermittelt haben, daß ich wichtig bin und sich um mich gekümmert wird. Andere Patienten haben sich schon beschwert, auf sie würde nicht eingegangen werden… Kann ich in den Fällen nicht richtig beurteilen, aber ich denke mal, das liegt auch viel daran, wie man was sagt. Wenn man sofort Vorwürfe macht oder sauer wird, kann ich mir schon vorstellen, daß die Reaktion etwas anders ist. Irgendwo sind die Leute vom Personal ja eben auch Menschen, und die machen nun mal Fehler oder vergessen mal was… Und diese Woche gab es auch einige Umbrüche (neuer Oberarzt, meine Ärztin ist auch erst seit Montag auf der Station, da eine andere nächste Woche geht…), da geht es schon mal ein bißchen durcheinander. Ist zwar doof, aber andererseits auch irgendwie verständlich…

So… und jetzt les‘ ich erstmal nach. Der Internetempfang ist da nämlich furchtbar, und ich bin ab Mittwoch abend kaum noch nachgekommen… bzw. eigentlich gar nicht… (Ihr schreibt alle zuviel! :D)

 

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6 thoughts on “Lebenszeichen

  1. Hey, na das klingt doch schonmal ganz gut.
    Chaos am Anfang scheint irgendwie dazuzugehören :roll:. Bei uns waren die Hauptchaosveranstalter allerdings die Menschen in der Verwaltung…
    Das Gefühl, den Schwestern wichtig zu sein, fand ich auch toll – Hirn war richtig erstaunt, dass man mich blöde, langweilige Person, die doch gar keine soooo großen Probleme hat, tatsächlich wichtig findet…
    Toll, dass du Dinge angesprochen hast! Fällt mir auch immer megaschwer… und das mit dem Rauch kann ich nachvollziehen, ich bin da leider auch extrem empfindlich – mir wird einfach sofort schlecht, ob ich es will oder nicht.
    Schlechter Internetempfang ist doof 😦 Bei mir war er auch nicht der beste, aber die Klinik lag im hinterletzten Kaff und so war ich positiv überrascht, dass man überhaupt welchen hatte… zumal sie so weit von mir daheim weg war, dass ich nicht einfach mal zwischendurch hätte heim können. Und ohne Auto bin ich auch nicht von dem Kaff in bessere Gefilde gekommen.
    Weiterhin alles Gute!

  2. Huhu! Es liest sich, als ob du dich schon richtig „eingelebt“ hättest! 🙂 Und dass du netten Kontakt zu den Mitpatienten hast, ist ja echt super. Das wäre ja meine größte Angst, es nur mit Idioten zu tun zu haben. Und dann noch ein Zweibettzimmer ohne Rückzugsmöglichkeit. Brrr.. Weiterhin alles Gute! Freu mich schon auf den nächsten Bericht von dir.

  3. Das klingt doch echt schon ganz positiv und Du scheinst Dich dort ganz wohl zu fühlen 🙂 Ich wünsch Dir auch weiterhin alles gute und dass Du ganz viel aus dem Aufenthalt für Dich mitnehmen kannst.

  4. Mäuschen, wo steckst du? Wo immer du auch bist – noch in der Klinik oder schon zu Hause – ich hoffe, es geht dir gut. Ich warte gespannt auf deine Berichte. 🙂

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