Impulsivität

„4.: Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z. B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, zu viel oder zu wenig essen).“

Den Punkt mit dem rücksichtslosen Fahren mag ich. Wenigstens zu dem kann ich ein klares, eindeutiges „Nein!“ sagen. Wobei ich dazu sagen sollte, daß ich keinen Führerschein habe hust

Ich nehm‘ mal den Alkohol als Beispiel.

Ich weiß genau, wie böse das Zeug ist. Ich hab‘ ein lebendes, atmendes Beispiel direkt vor der Nase. Er macht süchtig, ruiniert auf Dauer und/oder übermäßig konsumiert Körper und Geist… Betrunkene Menschen finde ich teils angsteinflößend (weil sie mindestens einen Teil der Kontrolle über sich verloren haben, und wer weiß, was die anstellen?) und teils ekelerregend. Ich mag das Gefühl, betrunken zu sein, (eigentlich) nicht… wenn sich klebrige Watte im Kopf ausbreitet, die Zunge nicht mehr mit Hirn’s Geschwindigkeit mitkommt, wenn ich noch tollpatschiger werde als ich ohnehin schon bin… Und an den meisten Abenden meines Lebens trinke ich Cola, Ginger Ale… oder mal einen Met oder einen Wein (man beachte die Einzahl!).

Und trotzdem: An manchen Abenden schießt durch Hirn der Gedanke „ich brauch‘ jetzt nen Met/Amaretto-Apfel (oder in gaaanz bösen Fällen Wodka-Lemon. Wer mich gut kennt weiß, Maus mit Wodka Lemon in der Hand heißt nix gutes!)“. Das es an so Abenden bei einem bleibt, ist eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, daß Maus irgendwann betrunken ist. Und dann entweder noch mehr Blödsinn anstellt oder eben solange weitertrinkt, bis jemand sie nach Hause trägt.

Ich bin da definitiv NICHT stolz drauf, schon gar nicht auf die schon vorgekommenen Phasen, wo diese Abende sich so gehäuft haben, daß eigentlich jeder Abend, wo ich am folgenden Morgen nicht früh aufstehen musste, in diese Kategorie fiel. Warum mach‘ ich das dann? Gibt 2 mögliche Gründe:

Entweder feiert Hirn wieder eine „kommt, wir hacken alle auf der Maus rum“-Party. Ein negativer Gedanke jagt den anderen, „du bist hässlich“ folgt direkt auf „du bist ein Versager!“, Erinnerungen kommen hoch, ich möchte am liebsten heulen… und will diese Party dann einfach nur noch beenden oder zumindest nicht mehr mitbekommen. Alkohol „hilft“ dabei, zumindest manchmal. Wenn nicht, trinkt man eben mehr… irgendwann muss es ja funktionieren. Blöderweise ärgert man sich, sobald man wieder klar ist über sich selbst… was wiederum die Chance, daß der nächste Abend genauso wird, drastisch erhöht.

Zweite Möglichkeit: Das „Murmeltier“ grüßt mal wieder… diese Leere, diese schmerzende Wunde, da wo irgendetwas fehlt… sie tut richtig weh, sie macht mich traurig… und ich will sie loswerden, oder zumindest den Schmerz und die Traurigkeit, die sie verursacht…

Warum ich nicht was gesünderes mache? Das Fiese an der Sache ist, daß diese Gründe urplötzlich auftauchen können. Eine Kleinigkeit reicht und die „Party“ geht los bzw. das „Murmeltier“ grüßt. Manchmal in einem unschönen aber erträglichen Rahmen. Aber manchmal eben unerträglich. Und dann muss da Abhilfe her, so schnell und einfach wie möglich. Und man sucht (und findet) einen Weg, nicht mehr nachzudenken, Glücksgefühle zu empfinden, sich Bestätigung zu holen… was auch immer hilft und man in dem Moment braucht.

Damit möchte ich mich nicht verteidigen oder das schön reden. Ich bin wie gesagt wirklich nicht stolz darauf. Ich hab‘ bis jetzt allerdings kein Gegenmittel gefunden. (Außer vielleicht zuhause verkriechen, aber das macht es auf Dauer gesehen nur schlimmer.) Was aber nicht heißt, daß ich aufhören werde, zu suchen! Und außerdem hab‘ ich ja die Hoffnung, daß ich bei den Gründen irgendwas machen kann, zumindest so weit, daß die „Party“ im erträglichen Bereich bleibt.

4 thoughts on “Impulsivität

  1. Kenn ich.
    Ich denke, dass es schon auch damit zu tun hat, dass man es vom betroffenen Elternteil als Problemlösungsstrategie vorgelebt bekommen hat. Auch wenn man natürlich weiß, dass es absolut keine Probleme löst, sondern eher verursacht.
    Als ich noch zu Hause gewohnt habe, meinte meine Mutter öfters „trink erstmal was“, wenn es mir nicht gut ging (z.B. bei Liebeskummer).
    Ich arbeite auch daran, das möglichst nicht mehr zu praktizieren.

    • Hm… könnte natürlich sein. Wobei mein Vater ja 10 Jahre lang nichts getrunken hat und die Trinkerei in der Kindheit hab‘ ich eigentlich nur am Rande mitbekommen (oder verdrängt?)…
      Aber auf jeden Fall glaube ich, daß mich die Alkoholausfälle deswegen am meisten ärgern. Alles andere… joa, nicht toll, aber auch kein Weltuntergang… aber die, die ärgern mich richtig!

  2. So Liebes, ich schreib Dir jetzt mal von Bordi zu Bordi wie ich das sehe. Vorangegangen schreibst Du ja, das Du meistens doch bei Cola und Ginger Ale bleibst und ganz ehrlich wenn das mal passiert ist es kein Beinbruch, sich dafür fertig zu machen verschlimmert die Sache nur. Versuche lieber Dir danach was gutes zu tun um es wieder gut zu machen. Es wird eh nicht wieder rückgängig zu machen sein also das Zauberwort heißt Radikale Akzeptanz! Was ist eigentlich aus dem Klinikaufenthalt geworden?

    LG Sue

    • Ich probier’s ja. Und bei allem anderen klappt das auch ganz gut. Motto: „Joa mei, wenn’s hilft. Schaumbad wär‘ vielleicht ne bessere Alternative gewesen… aber egal“ Nur beim Alkohol, da nervt es mich tierisch!
      Montag ruft mich die Ärztin an und kann mir dann wahrscheinlich schon sagen, wann’s los geht. Eventuell sogar schon nächste Woche… Und frag‘ mich jetzt bloß nicht, wie ich das geschafft hab‘, das frag‘ ich mich nämlich selbst…
      LG Maus

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